PD Dr. Peter Döbbeler
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LMU Department für BiologieSystematische Botanik und Mykologie
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Germany
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Arbeitsgebiet
Biodiversität bryophiler Ascomyceten
Forschungsschwerpunkte
Systematische Studien an bryoparasitischen Ascomyceten
unter Berücksichtigung ökologischer und biogeographischer Gesichtspunkte
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Laufende Projekte
Bryophile Pilze wachsen auf dem Gametophyten oder Sporophyten von Bryophyten.
Hepaticole Arten besiedeln Lebermoose (Hepaticae), muscicole Arten
Laubmoose (Musci). Diese Pilze sind durch ihre Ökologie definiert wie lichenicole,
coprophile oder marine. Was sie zusammenhält, ist ihr gemeinsames Substrat.
Verwandtschaftliche Zugehörigkeit, Ernährungsweise oder biologische Besonderheiten
hingegen können ganz verschieden sein.
Derzeit sind etwa 350 Arten in über 80 Gattungen von Ascomyceten bekannt,
die obligat auf der haploiden Generation von Leber- und Laubmoosen parasitieren. Die
Analyse systematisch relevanter Merkmale zeigt, dass die fungi bryophili
mindestens neun Ordnungen angehören, nämlich den Arthoniales,
Dothideales, Hypocreales, Lecanorales, Leotiales,
Ostropales, Pezizales, Sordariales und Verrucariales.
Mehrere Gattungen sind rein bryophil, z.B. Bryodiscus, Epibryon,
Hypobryon oder Potriphila. Bei ihnen erfolgte die Aufspaltung
in Arten offenbar erst nach der Besiedlung von Moosen. Gattungen wie Hymenoscyphus
oder Nectria hingegen enthalten sowohl bryophile als auch auf anderen
Substraten vorkommende Arten.
Die einzigartige Lebensweise der Moosbewohner hat zu ähnlichen Anpassungen
bei nicht verwandten Vertretern geführt (Konvergenz). Am auffallendsten ist die
reduzierte Fruchtkörpergröße. Die meisten Ascocarpien erreichen nicht einmal
100 mm im Durchmesser. Bryochiton perpusillus und Epibryon endocarpum
gehören mit unter 50 mm großen Fruchtkörpern zu den kleinsten Ascomyceten
überhaupt. Wasserspeichernde Gallerte wird sehr oft im Gehäuse und/oder im
Hymenium gebildet. Die Ascocarpien entstehen bevorzugt an solchen Kleinstandorten
des Wirtes, die vor raschem Feuchtigkeitsverlust schützen, ohne die Sporenabgabe
zu behindern, z.B. in den Blattachseln, unterseits am Blattrand oder zwischen
den Assimilationslamellen bei Polytrichaceen. Mehrere Lebermoosbewohner bilden
ihre Ascocarpien auf der geschützen Ventralseite der Wirtsblätter, die sie
mit dem Scheitel durchbohren, um die Sporen auf der freiliegenden Dorsalseite
abzuschießen. Bei einigen Sippen (z.B. Epibryon deceptor) enthalten
die Fruchtkörper vergleichsweise wenige Sporen. Die für Pilze ganz untypische
und daher bemerkenswerte Reduktion der Fertilität hängt offensichtlich mit der
Besiedlung phylogenetisch stabiler Standorte zusammen. Ein hohes
Reproduktionsvermögen bietet hier keinen selektiven Vorteil.
Arten wie Belonioscypha hypnorum, Bryostroma necans oder
Nectria muscivora sind necrotrophe Parasiten mit intrazellulären
Hyphen. Sie verursachen teilweise auffallende Verfärbungen, manchmal sogar
ringförmige Zonierungen der infizierten Moose. Die meisten Vertreter gehören
zu den biotrophen Parasiten, die ihre Wirte nicht oder nur gering
schädigen. Die Anwesenheit selbst Hunderter von Fruchtkörpern pro Blatt kann
symptomlos bleiben. Die Myzelien der Biotrophen wachsen innerhalb der Wirtszellwände
oder über den Zellen, wobei sie fast stets den Antiklinen folgen.
Octospora infiziert die unterirdischen Rhizoiden acrocarper Laubmoose.
Einige ihrer Arten verursachen Gallen. Auffälligerweise spielen Saprophyten
unter den Moospilzen, deren Substrat als phylogenetisch alt gilt, gar keine
Rolle. Das passt gut zu neuerlichen Überlegungen, dass womöglich die
parasitischen Pilze die Saprophyten hervorgebracht haben und nicht umgekehrt.
Erstaunlich differenziert sind die Hpyhen an der Kontaktzone zu den Wirtszellen,
die sich aufgrund der einfach gebauten Gewebe der Bryophyten gut analysieren läßt.
Es gibt Appressorien ohne Haustorien, Haustorien ohne Apressorien
und die Kombination beider Strukturen. Bisweilen bilden Appressorien und Haustorien
sogar komplexe Infektionsapparate. Hin und wieder treten am Myzel anamorphe
Stadien auf. Merkmale der Hyphen und ihrer Anhangsorgane haben hohen
diagnostischen Wert.
Wie in anderen Parasitengruppen gibt es alle Abstufungen in der Breite der
Wirtsspektren einzelner Taxa. Streng spezifisch ist z.B. Epibryon plagiochilae
für Plagiochila asplenioides s.l. Der Pilz infiziert nicht die leicht
verwechselbare, sympatrische Plagiochilacee Pedinophyllum interruptum,
das von dem spezifischen E. pedinophylli befallen wird. E. pogonati-urnigeri
wächst auf Pogonatum urnigerum, nicht aber auf dem ähnlichen
Polytrichastrum alpinum. Hier zeigen sich sehr schön die taxonomischen
Fähigkeiten der Bryophilen! Lizonia ist spezifisch für Polytrichaceen,
Dactylospora heimerlii für Jungermanniales, während Acrospermum adeanum
ein beachtliches Spektrum an hypnobryalen Wirten aufweist.
Im Vordergrund der bryomykologischen Untersuchungen stehen die Ascomyceten auf
den kosmopolitisch verbreiteten Polytrichaceen (Polytrichastrum,
Polytrichum, Polytrichadelphus, Dawsonia,
Dendroligotrichum), zu denen die größten gametophytischen Landpflanzen
gehören. Ihr erdgeschichtlich frühes Auftreten lässt a priori ursprüngliche
Merkmale auch bei den Parasiten erwarten. Eine ganz andere Wirtsgruppe stellen
die epiphyllen Lebermoose dar (z.B. Radula flaccida), die zu den
faszinierendsten Phänomenen in tropischen Regenwäldern gehören.
Die Diversität der bryophilen Pilze ist noch weitgehend unbekannt, so dass mit
hunderten neuer Taxa im Art- und Gattungsrang zu rechnen ist. Neben spezifischen
Fragestellungen der Pilzsystematik werden auch biologische Eigenschaften wie
Adaptationen, Infektionsverhalten und Wirtskreise, Gallbildungen,
Lichenisierungen sowie biogeographische Gesichtspunkte berücksichtigt.
Stand: 10.04.2012

